"Geflügelschnupfen"

Gerade während der Wintermonate zeigt sich Geflügel auf grund des sperziellen Aufbaues der Atemwegsorgane für Infektionen des Respirationstraktes besonders anfällig. Bei der häufig angesprochenen Diagnose "Geflügelschnupfen" mit Symptomen wie Nasen- und Augenausfluss, Niesen, Husten, Atemnot, Schwellungen der Nasennebenhöhlen, Mattigkeit, Fressunlust und Rückgang der Legeleistung muss man verschiedene Infektionskrankheiten in Betracht ziehen, die durch unterschiedliche Erreger verursacht werden und deshalb spezifisch bekämpft werden müssen.

Sehr häufig kommt die Infektiöse Bronchitis (abgekürz IB) vor, der wir eine separate Seite gewidmet haben -> IB Infektiöse Bronchitis.  

Auch für die Ansteckene Kehlkopf-Luftröhren-Entzündung finden Sie auf der entsprechenden Seite ILT Infektiöse Laryngotracheitis Näheres.

Die wichtigsten Atemwegserkrankungen bei Rassegeflügel

nach einem Artikel von Dr. Sigrid Spies, Fachtierärztin für Geflügel, Intervet

Ansteckender Geflügelschnupfen


Der klassische ansteckende Geflügelschnupfen ( Coryza contagiosa, umgangssprachlich auch "Pips" oder "Darre") ist eine Erkrankung der oberen Atemwege, verursacht durch die Bakterienart Avibacterium paragallinarum (früher: Hämophilus paragallinarum). Der Erreger wird rasch von Tier zu Tier über Tröpfcheninfektion, verunreinigtes Tränkewasser oder Futter weiterverbreitet. In der Regel sind ältere Tiere für den anstekenden Geflügelschnupfen empfänglicher als Jungtiere.

Die Inkubationszeit beträgt 1 bis 3 Tage, wobei sich die Erkrankung sehr rasch im Bestand ausbreitet, bei meist nur geringer Sterblichkeit. Wasser- und Futteraufnahme gehen zurück und es kommt zu Legeleistungsabfall. Durch Faktoren wie schlechte Haltungsbedinungen, vitaminarme Fütterung und unzureichende Stallklimatisierung wird die Erkrankung begünstigt.


Symptome:

  • Atemgeräusche
  • Niesen
  • klarer bis trübflockiger Nasenausfluss mit süßlich-fauligem Geruch
  • Verklebung der Nasenöffnungung
  • Beulenartige Auftreibungen an den Augenlidsäcken und Nasennebenhöhlen ("Eulenköpfe"

Zur Behandlung können Antibiotika eingesetzt werden. Auch eine vorbeugende Impfung mit Inaktivatimpfstoff, am besten während der Aufzuchtphase in der 6.  und 12. Lebenswoche.

Mykoplasmose


Die Mykoplasmose ist eine weit verbreitetet Erkrankung, die unterschiedlich stark verlaufen kann. Betroffen sind die Atmungsorgane oder die Gelnke und Sehnenschieden. Der Erreger ist bakterienähnlich, ihm fehlt allerdings eine Zellwand. Bei Hühnern kommen die Arten Mykoplasma gallisepticum (MG), synoviae (MS) und iowae (MI) vor, bei Puten zusätzlich Mykoplasma meleagridis (MM).

Die Erkrankung wird häufig durch gleichzeitige Infektionen mit Bakterien (wie E.coli, Bordetellen, Avibacterien etc) kompliziert, weshalb si auch unter dem Begriff CRD (CHronic Respiratory Disease) bekannt ist.

Die Infektion erfolgt direkt von Tier zu Tier: Achtung: latent oder chronisch infizierte Tiere sind jahrelang Träger des Erregers) oder indirekt über lebende (Personenm Schadnager, Insekten) oder tote Vektoren (Tränken, Futter, Einstreu, Geräte, Kleidung etc). Besonders gefährlich ist die Übertragung durch infizierten Staub über die Luft zwischen benachbarten Haltungen. Eine Infektion über das Brutei ist ebenfalls möglich. Die Zeit zwischen Ansteckung und Krankheitsausbruch kann wenige Tage bis mehrere Wochen betragen.

In Abhänigkeit vom Alter der Tiere, dem Infektionsweg, der Erregeranzahl und anderen begünstigenden Faktoren wie hohe Besatzdichte, schlechte klimatische Verhältnisse und bakterielle Begleitinfektionen entwickeln sich typische Krankheitserscheinungen wie Entwicklunsstörungen, erhöhte Verluste, Rückgang der Legeleistung, schniefende Atemgeräusche, teilweise Nasenausfluss und Schwellung der Nasennebenhöhlen ("Eulenkopf", fibrinöse Entzündungen der Luftsäcke (MG). Bei Infektionen mit MS kommt es zu Entzündungen der Gelenke und Sehnenscheiden mit gestörtem Allgemeinbefinden. Im fortgeschrittenen Stadium treten Durchfall, Atemstörungen und Lahmheiten auf.

Die Diagnose wird anhand des klinischen Bildes, von Blutuntersuchungen und dem Erregernachweis gestellt.

Eine Behandlung mit mykoplasmenwirksamen Antibiotika ist möglich, aber meist nur vorrübergehend wirksam, da nur die Tierverluste verringert und die klinischen Erscheinungen gemildert werden, aber der Erreger nicht aus dem Bestand eliminiert wird. Zur Vorbeugung können Tiere in gefährdeten Beständen gegen Mykoplasma gallisepticum schutzgeimpft werden.


Ornithobacterium rhinotracheale (ORT)


Die Ornithobacterium rhinotracheale-Infektion (ORT) wird durch die gleichnamige Bakterienart verusacht und kommt bei Hühnern und Puten aller Altersstufen vor. DIe Ansteckung erfolgt dierkt von Tier zu Tier oder über infizierte Vetkoren. Infizierte Zuchthennen können die Erkrankung auch über das Brutei auf ihre Nackommen übertragen.

Die Tiere zeigen deutliche Atemwegssymptome mit wässrigem bis schamigem Augenausflugg und Anschwellen der Nasennebenhöhlen. Es treten schwerwiegende eitrige Lungen entzündungen mit Luftsack - und Herzbeutelentzündungen auf.

Der Nachweis über die Erkrankung lässt sich über entsprechende Blutuntersucheungen oder die Anzüchtung des Erregersm die aber mit einer geeigeneten Methode erfolgen muss, stellen.

ORT-Infektionen können mit Breitspektrum-Antibiotika behandelt werden, in der Regel mit unterschiedlichem Grad von Erfolg. Es gibt einen Inaktivatimpfstoff zur Schutzimpfung der Zuchttiere.